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Berufsporträt Erzieher: Interview mit Clara Wiedemann, Montessori-Kinderhaus Nornheim

Kein Zaun, keine batteriebetriebenen Spielzeuge: Clara Wiedemann absolvierte ihr zweites Ausbildungsjahr in der Waldgruppe des Montessori Kinderhauses Nornheim. Mit dem Abschluss in diesem Jahr ist sie offiziell Kinderpflegerin. Bis zum Titel „Erzieherin“ hat sie noch drei Jahre ihrer Ausbildung vor sich. Im Interview erfahren wir deshalb nicht nur viel über die allgemeinen Aufgaben als Erzieher, sondern auch, warum sie sich für das besondere Montessori-Konzept und vor allem die in Günzburg einmalige Waldgruppe entschieden hat.

Schwaben Echo: „Was zeichnet Sie besonders aus?“

Clara Wiedemann: „Meine große Leidenschaft ist das Klettern. Viele Eigenschaften, die man hierfür benötigt, sind auch für meine Ausbildung zur Erzieherin entscheidend: Sowohl der Beruf, als auch mein Hobby erfordern viel Geduld und Ausdauer. Außerdem sollte man sehr agil, flexibel und spontan sein. Mut, Willensstärke und Teamfähigkeit gehören ebenso dazu. Da Kinder schon früh ihrem eigenen Willen folgen, sollte man über ein hohes Reaktionsvermögen verfügen und besonders in einer Waldgruppe natürlich gerne draußen sein und die Freiheit lieben.“

 

Schwaben Echo: „Warum haben Sie den absoluten Traumberuf?“

Clara Wiedemann: „Ich arbeite grundsätzlich gerne mit Menschen und vor allem mit Kindern. Das ist natürlich eine Grundvoraussetzung. Ganz besonders bei Kindern bewundere ich die Neugier und die Klarheit, über die sie verfügen. Ihre Ideen und ihre Lebensfreude sind ansteckend und der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Jedes Kind hat seinen eigenen Charakter und entwickelt sich individuell. Dadurch ist jeder Tag anders. An der Waldgruppe reizte mich vor allem die Freiheit: Es gibt hier keine Zäune und optischen Grenzen. Der Wald bietet viel Raum und man spürt die Jahreszeiten. Gerade durch die einfache Umgebung wird die Fantasie gefördert. Wir entwickeln aus den einfachsten Materialien neue Spiele. So wird für die Kinder eine verwinkelte Ecke im Wald mit ein paar Ästen zum „Wohnzimmer“ oder der große Sandberg zur Burg.“

Schwaben Echo: „Welche Eigenschaften sollte man als Erzieher / Erzieherin mitbringen?“

Clara Wiedemann: „Die Liebe zur Arbeit mit Kindern steht an erster Stelle – egal welches Konzept die Einrichtung verfolgt. Man muss viel Geduld und Einfühlungsvermögen mitbringen und Spaß daran haben, neue Themen mit den Kindern gemeinsam zu entwickeln und zu realisieren. Gerade im Montessori-Konzept sind wir Begleiter der Kinder und nicht deren Lenker. Wir lassen ihnen den Raum, sich in ihrem eigenen Tempo zu entwickeln.

Schwaben Echo: „Wie sind die Zukunftsaussichten?“

Clara Wiedemann: „Es werden immer mehr Erzieher benötigt, da oft beide Elternteile arbeiten gehen. Gleichzeitig ist es aber wichtig, dass sich die Wertschätzung in der Bevölkerung und die finanzielle Ausstattung verbessern, damit der Beruf attraktiv bleibt. Erziehern werden die wertvollsten Mitglieder der Familie anvertraut. Der Anspruch an die Erzieher, die Kinder gut zu fördern und zu betreuen ist sehr hoch.

Ich persönlich sehe sehr optimistisch nach vorn. Es gibt eine große Auswahl an Jobangeboten und zum Glück werden immer mehr Waldkindergärten gegründet. Hier sehe ich meine Zukunft. Außerdem bietet die Ausbildung ein breites Spektrum an Arbeitsfeldern. Denn als Erzieherin kann man in vielen Bereichen arbeiten. Da gibt es nicht nur Kindergärten, sondern auch Tätigkeiten mit Jugendlichen, Behinderten oder in der Beratung.“

Schwaben Echo: „Haben Sie einen Tipp an Eltern, wie man die richtige Einrichtung für sein Kind unter den vielen Konzepten auswählt?“

Clara Wiedemann: „Informieren Sie sich frühzeitig und besuchen Sie die Einrichtung beispielsweise an Infoabenden, Schnuppertagen oder am Tag der offenen Tür. Fragen Sie aktiv in Ihrem Umfeld andere Eltern über deren Erfahrungen und tauschen sich aus. Schätzen Sie ehrlich Ihre eigenen Kapazitäten und Ressourcen ein. In einigen Kindergärten besteht zum Beispiel die Pflicht zur Elternarbeit. Man muss also voll hinter dem Konzept der Einrichtung stehen. Am wichtigsten ist aber: Beobachten Sie Ihr Kind. Jedes Kind hat eigene Bedürfnisse und Wünsche, denn es ist ein Individuum.

Schwaben Echo: „Was war Ihr persönliches Highlight in Ihrer Laufbahn?“

Clara Wiedemann: „Eindeutig: Das Jahr in der Waldgruppe! Das Team und auch die Kinder haben mich mit einer unglaublichen Herzlichkeit, Freude, Wärme und Offenheit aufgenommen. Natürlich freue ich mich über meinen guten Abschluss als Kinderpflegerin in diesem Jahr und bin hoch motiviert, den Weg zur Erzieherin ebenso erfolgreich zu meistern. Ich bin froh und dankbar, Teil eines so tollen Teams gewesen zu sein.“

Schwaben Echo: „Wir danken Ihnen für dieses spannende Interview und die vielen Einblicke in die spannende Ausbildung und vor allem in die besondere Waldgruppe. Wir sind beeindruckt mit wie viel Energie Sie die lange Ausbildung bewältigen und können alle Familien beglückwünschen, die Sie einmal als Erzieherin begleiten werden. Sie sind ein tolles Vorbild für die Kinder und auch für junge, motivierte Schüler, die sich für eine Ausbildung zum Erzieher / zur Erzieherin interessieren. Wir sind sicher, dass sie „Ihren“ Kindern und dem Team der Waldgruppe während der kommenden Schuljahre sehr fehlen werden.“

 

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