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Lebensfreude und Würde bewahren –  Mitgefühl und Stärke zeigen

Berufsporträt Altenpfleger: Interview mit Manuel Seibold, Altenpfleger im Isabella-Braun Heim, Jettingen

Beim Fotoshooting begeisterte Manuel Seibold sofort mit seiner herzlichen und entspannten Art. Damit erobert er auch die Herzen aller Senioren in seiner Einrichtung und berichtet uns heute von seiner ganz persönlichen Sicht auf den Beruf.

 

Schwaben Echo: „Was bezeichnet Sie besonders aus?“

Manuel Seibold: „Ich bin ein sehr einfühlsamer und empathischer Mensch. Dies sind meiner Meinung nach wichtige Grundlagen, um in diesem Beruf zu arbeiten. Auch sollte man sehr hilfsbereit sein – allerdings nicht im Übermaß. Andernfalls kann man in Gefahr laufen, sich zu viel aufzubürden. Ebenso unerlässlich ist eine große Portion Humor. Viele ältere Leute machen gerne Witze und lachen. Das tut ihnen gut und wenn wir Pfleger mitlachen und einen Scherz parat haben, fühlen sie sich verstanden und blühen auf. Als junger Mann habe ich auch einige Vorteile gegenüber Frauen – und sogar Männern. Denn leider sind männliche Altenpfleger Mangelware.“

Schwaben Echo: „Warum haben Sie den absoluten Traumberuf?“

Manuel Seibold: „Ich habe nach meinem Praktikum im Kindergarten schnell festgestellt, dass ich etwas mit Menschen machen will. Mein Vater brachte mich darauf, ein sogenanntes Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Dies habe ich im Altenheim in Jettingen begonnen und sofort gespürt, dass ich genau das Richtige für mich gefunden habe. Ich finde alte Menschen einfach extrem faszinierend und interessant. Man kann so viel von ihnen lernen. Sie haben so schöne und auch schreckliche Geschichten von früher zu erzählen. Es ist einfach ein schönes Gefühl, einen Mensch auf seinem letzten Lebensweg zu begleiten. Es macht einen selbst sehr stark und selbstbewusst. Und gerade ältere Menschen sind leider in unserer Gesellschaft sehr im Nachteil. Viele von ihnen denken und äußern das auch, sie seien nichts mehr wert. Dies ist eine Tatsache die mich sehr traurig macht. Aber es ist meine Aufgabe, ihnen das Gegenteil zu beweisen.
Dieser Beruf ist so vielseitig. Jeder Tag ist anders, fast jeden Tag warten neue Herausforderungen auf einen. Man hat als Fachkraft viel mit Ärzten zu tun, Medikamente zu verabreichen, Aufnahmegespräche zu führen, Pflegeplanungen zu erstellen und noch vieles mehr. Ich hab als Kind schon gesagt, dass ich niemals einen Beruf möchte, der von Monotonie geprägt ist. Diese Vielfalt ist eines von vielen Argumenten, warum ich diesen Beruf liebe und lebe.“

Schwaben Echo: „Welche Eigenschaften sollte man als Altenpfleger / Altenpflegerin mitbringen?“

Manuel Seibold: „Man sollte wie gesagt humorvoll sein, empathisch, liebevoll und einfühlsam. Es ist aber auch wichtig Härte zu zeigen und für etwas einstehen zu können. Als Fachkraft hat man auch Hilfskräfte und Schüler unter sich, denen man eben Aufgaben zuteilen muss. Nicht falsch verstehen, für mich sind alle auf einer Ebene. Ich mache selbst keinen Unterschied zwischen Helfern, Schülern, Fachkräften und Hauswirtschaftskräften. Nur durch Zusammenhalt und Zusammenarbeit kann man die Ziele für die Bewohner des Heims erreichen. Aber als Fachkraft hat man die größte Verantwortung. Man ist für Medikamente zuständig, für die Arztgespräche und für die genaue sowie richtige Dokumentation für bestimmte Ereignisse, die im Alltag auftreten können. Wie zum Beispiel Notfälle, Stürze etc. Wenn ich einer Hilfskraft eine Aufgabe übergebe und sie einen Fehler macht, muss ich die Verantwortung übernehmen. Man sollte sich bewusst sein, dass es hier immer um Menschenleben geht.
Zudem man muss mit dem Tod umgehen können. Man muss sich im Klaren sein, dass die Personen, die man vielleicht mehrere Wochen, Monate, oder auch Jahre betreut, jederzeit sterben können. Der Sterbeprozess kann im Alter sehr schnell voranschreiten. Ich möchte damit nicht sagen, dass man nicht traurig sein oder weinen darf. Aber es muss danach weiter gehen und man sollte die negativen Gedanken nicht nach Hause mitnehmen. Wem dies nicht möglich ist, der wird es in diesem Beruf immer schwer haben. Ich bewältige diese Situationen, indem ich mir bewusst mache, dass die Menschen die wir begleiten, ihr Leben bereits erlebt haben. Viele leiden lange, liegen sehr lange im Sterben. Ich sehe für mich eher eine Art Erlösung, wenn jemand in Würde sterben darf. Dies ist der Lauf des Lebens und es hat mich noch nie belastet. Das ist aber bei jedem Menschen anders, es gibt auch allgemeine Tipps wie Hobbys. Sich einfach Ablenkung und Freiraum schaffen, um abschalten zu können. Weil es gut für Kopf und Körper ist, trainiere ich mit Fitnessgeräten und spiele Basketball. Denn nur wer fit ist, kann auch wirklich kräftig mit anpacken.“

Schwaben Echo: „Vielen Dank für dieses offene und ehrliche Interview. Wir können uns keinen besseren Berufsbotschafter für diesen Beruf vorstellen und wünschen Ihnen viel Erfolg auf Ihrem weiteren Weg.“

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